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Von der Hölle ins Paradies – 3sat Filmbesprechung
Dokumentarfilm von Michael Teutsch
Deutschland 2006, 73 Minuten

Erstausstrahlung

Aliza Sommer-Herz, die heute 107- jährige Pianistin und Musikpädagogin, hat das ganze 20. Jahrhundert erlebt und ist aufgrund ihrer genauen Erinnerungen und der kritischen Verarbeitung ihrer vielfältigen Erfahrungen eine Zeitzeugin ersten Ranges. Aliza Herz wird 1903 geboren und wächst als deutschsprachige Jüdin in Prag in einem Elternhaus auf, in dem Kunst die wichtigste Rolle spielt. Franz Kafka, an den sie sich noch erinnern kann, ist ein Freund der Familie. Aliza beginnt mit sechs Jahren, Klavier zu spielen, und studiert später bei Größen des damaligen Musiklebens. Sie macht als Pianistin Karriere und heiratet 1934 Leopold Sommer. 1937 wird ihr Sohn Rafael Sommer geboren. Diese glückliche Zeit endet 1939 mit der Einführung der Rassengesetze in der Tschechoslowakei nach dem Einmarsch der Nazis. Trotz guter Kontakte zu den Besatzern, die Aliza Sommer-Herz als Pianistin hofieren, kann sie die Deportation ihrer Mutter nicht verhindern. Um die Depressionen zu überwinden, in die sie dieser Verlust stürzt, gibt sie sich selbst eine der schwersten Aufgaben für einen Pianisten: die Etüden von Chopin zu beherrschen. Im Rückblick sagt sie, die "24 Etüden" haben ihr das Leben gerettet. 1943 wird Aliza Sommer-Herz selbst mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn im Konzentrationslager Theresienstadt interniert. Als "Pianistin von Theresienstadt" gelingt es ihr durch Konzerte für die Inhaftierten und die deutschen Offiziere, gemeinsam mit ihrem Sohn der drohenden Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz zu entgehen. Ihr Mann und fast alle Angehörigen ihrer Familie werden von den Nationalsozialisten ermordet. Nach dem Krieg arbeitet Aliza Sommer-Herz vor allem als Musikpädagogin. Sie lebt in der stalinistischen Tschechoslowakei, bis sie ihrem Sohn nach Israel und Ende der 1980er Jahre nach London folgt, wo sie noch heute wohnt. Die Musik ist Aliza Sommer-Herz eine unerschöpfliche Quelle der Lebenskraft geblieben, auch nachdem ihr Sohn vor wenigen Jahren überraschend gestorben ist.


Der renommierte Kameramann und Dokumentarist Michael Teutsch hat mit Aliza Sommer-Herz mehrere ausführliche Gespräche in London geführt. Anhand dieser Gespräche und sorgsam ausgewählten Archivmaterials zeichnet der Film die wichtigsten Etappen ihres ungewöhnlichen Lebens nach. Beeindruckend konkret und lebendig vermag Frau Sommer-Herz die Lebensumstände in der Zeit des Nationalsozialismus und der frühen Nachkriegsjahre im Kommunismus zu beschreiben. Dabei sind die Erinnerungen an die Menschen, denen sie damals begegnete, ebenso wichtig wie ihre Reflexionen über Schuld und Vergebung, die sie seither nicht mehr losgelassen haben. Doch Aliza Sommer-Herz betont, dass nach der Zeit der Verfolgung und des Verlustes ein anderes, erfülltes Leben für sie begann, reich an Kontakten mit Schülern und Freunden, erfüllt durch die Nähe zu ihrem Sohn und bestimmt von ihrer täglichen Beschäftigung mit der Musik. Der Film ist das eindrucksvolle Porträt einer bedeutenden Persönlichkeit, die mit ihrer vitalen Art und ihrer Lebenssicht zu fesseln vermag.
Michael Teutsch ist seit 1970 als Kameramann und seit 1996 auch als Autor und Regisseur tätig. Als Kameramann war er an unter anderem an dem Kinofilm "Warheads", den TV-Dokumentationen "Boat People auf der Cap Anamur" (1987) und "Leni Riefenstahl: Ein Traum von Afrika" (2000) sowie zahlreichen Serien beteiligt. Zu seinen Filmen als Regisseur gehören unter anderem "Hier sind wir die Türken" (2001) und "Sound of Freedom" (2004)

3.06.2006 / Filmredaktion3sat

Buch & Regie        Michael Teutsch
Kamera                M. Teutsch; Klaus Kolbe
Ton                      Klaus Kolbe
Schnitt                 Peter Köhler
Color grading        Doro Geswon
Mischtonmeister    Thomas Geldhauser
Länge                   73  Minuten
Master                  Digi Beta
Farbe/SW
Originalfassung      Deutsch
Englische Fassung  auf Nachfrage